Donnerstag, 17. August 2017

2017: Mein Jahr - was bisher geschah!

Im Januar stelle ich in meinem Tagebuch fest, dass 2017 eine Primzahl ist.
Das Jahr beginnt gemütlich. Ich bereite ein Referat für den LesbenLiteraturSalon vor.

Dann twittere ich am 19. Februar:

... noch weiß ich nicht, dass ich im MS-Schub bin...




Dass die "Migräne-Aura" anders als sonst ist, fällt mir unterbewusst schon auf.

26. März 2017
Ich bin noch voll im MS-Schub. Zuviele Eindrücke nach der Pulse of Europe-Veranstaltung (Sonnenstand blendet, ein an mir befestigter im Winde flatternder Gasluftballon irritiert) lassen mich vor einer Ampel eine Treppe hochstolpern.
Zuhause rufen wir die 112 an und ich werde ins Krankenhaus gefahren. Dort wird die Wunde genäht.






3. April 2017
Nach etwa einer Woche werden die Fäden gezogen.




Am 04.04.2017 schrieb ich nach dem Termin bei der Neurologin in mein Tagebuch:

"Zwischen gestern und heute liegt ein Verdacht. Eine alte Bezeichnung, die Angst in mir hervorruft. Ich bin die gleiche Person. Ich HABE diese Empfindungen/ Störungen, aber plötzlich bekommt das Kind einen neuen Namen.
Ich erinnere mich an das Gespräch mit Mani, Jasnas Mann und angehender Arzt, der vor ca. 27 Jahren meinte, wozu so einen Wert auf eine Bezeichnung legen? Aber es hat meine Angst eingepackt. Es ist NUR Migräne. Nichts Schlimmes. Jetzt wird es wahrscheinlich Migräne PLUS werden."



4. Mai 2017

Es. Hat. Keinen. Spaß. Gemacht.
Ich konnte nicht essen. Ich konnte nicht schlafen.
Mein Hausarzt wollte meiner Sorge keinen Glauben schenken, weil er von mir gehört hatte, dass das MRT ohne Befund gewesen sei. Hörensagen und schließlich hatte der Radiologe nach dem MRT mir nicht wirklich reinen Wein eingeschenkt.
Und so schrieb der Hausarzt mich krank, krank, krank.
Eine Neurasthenie wird nach ICD-10 F48.0 bei Vorliegen der folgenden Kriterien diagnostiziert:
z.B.
Schlafstörungen
Unfähigkeit zu entspannen
Die Betroffenen sind nicht in der Lage, sich innerhalb eines normalen Zeitraums von Ruhe, Entspannung oder Ablenkung zu erholen.
Text zusammen gestellt und teils zitiert nach: dr-mueck.de/HM_FAQ/Neurasthenie.htm
Ich würde es umgangssprachlich einen Nervenzusammenbruch nennen. Und ich wünsche das wirklich niemanden. In meiner Verzweiflung machte ich Termine zur Notfall-PsychoTherapie und aß, wenn es möglich war, Toastbrot mit Schokolade, um den Kalorienverlust auszugleichen.




8. Mai 2017
"Scheiß drauf!!!" dieses Fluchen hat mir unter Umständen auch das Leben gerettet.
Unentwegt Krämpfe, Missempfindungen. Dann nicht schlafen und essen können. Wenn ich den Fluch sagte, fühlte ich mich für eine gewisse Zeit wieder wie ein normaler Mensch.




12. Mai 2017
Fast 5 Kilo nahm ich ab.
Es machte keinen Spaß.
Es wurde nicht besser. Ich war krank geschrieben ohne Aussicht, dass es mir wieder besser gehen wird. Diese Ungewissheit war nicht mehr auszuhalten. Ich telefonierte mit meiner Schwester, die schon länger mit MS lebt, und berichtete, was bei mir gerade los war. Sie gab den Tipp, dass ich mich vom Hausarzt ins Krankenhaus zur Diagnosestellung einweisen lassen soll. Ins Krankenhaus wollte ich sowieso, weil in Frankfurt auf jeden Untersuchungstermin ewig gewartet werden muss. In einem Krankenhaus wäre alles an einem Ort. Aber sich selbst einweisen geht so einfach nicht. Der Tipp brachte mir also die Lösung.


16.-20.05.2017 Krankenhaus
Ich lasse alle relevanten Untersuchungen an mir vornehmen. Darunter auch die berühmt berüchtigte Lumbalpunktion, vor der ich am meisten Angst hatte.
Dass keine der Untersuchungen wirklich Spaß macht, davon mag eine andere Geschichte erzählen.




20. Mai 2017
Der Krankenhausaufenthalt war ein unentwegtes Warten auf Termine, die dann doch nicht stattfanden. Der Höhepunkt des Durcheinanders war am Samstag, als eine Krankenschwester mir mitteilte, der Arztbrief läge vor, ich solle das Krankenhaus verlassen. Ich hatte kein Gespräch mit irgendeinem Arzt zum Thema geführt und was der Brief bedeutet, war mir nicht so klar.


Ich machte alle Schwestern wild, so dass ich trotz Wochenende mit einer Ärztin zum Thema sprechen konnte. Eine eindeutige Diagnose gab es noch nicht, es standen noch Werte aus. Aber der Verdacht mit dem ich ins Krankenhaus kam, blieb auch beim Verlassen des Krankenhauses vorerst nur ein Verdacht.



2. Juni 2017
Zwischen Tür und Angel bekam ich ca. eine Woche später beim Hausarzt, der die letzten Daten vom Krankenhaus erhalten hatte, die Mitteilung: "Ja, es ist tatsächlich so." Mehr Empathie war bei ihm nicht drin.
Während dieser Zeit des Wartens und auch danach las ich viele Bücher von Menschen, die auf ihre Weise die MS "überwunden" hatten. Im Buch von Sven Böttcher wurde das Coimbra-Protokoll erwähnt. (Anm. 01.03.2018: Nach Recherche stellt sich heraus, dass er viel zu Vit D schreibt, aber nichts zu Coimbra. Es ist wohl meiner Rechercheleistung zu verdanken, dass ich auf das Thema kam.)




4. Juni 2017
Ich streiche Weizen, Zucker und Milchprodukte aus meiner Ernährung.
Und nachdem durch einen Bluttest festzustellen war, dass ich einen niedrigen Vitamin D-Spiegel habe, stockte ich mit der Formel von Dr. med. R. von Helden mein Vitamin D auf. Sogar erfolgreich auf 80 ng/ml, wie ich später erfahren konnte.




10. Juni 2017

Vitamin D. Zwar ist Sonnenbaden nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber ich versuche es so häufig hinzubekommen, wie es geht. Wichtig ist dabei: Je nach Hauttyp, bei mir ist es hell, ca. 15 Minuten von jeder Seite, ohne Sonnencreme und der eigene Schatten muss kleiner als die Körpergröße sein - was meist um die Mittagszeit ist.



12. Juni 2017
Wegen der besonderen Nährstoffzusammensetzung esse ich wieder Fleisch und Fisch.






6. Juli 2017
Weil es ja nicht nur eine Sache geben kann, die reinhaut, hatte ich noch immense Probleme mit einem Weisheitszahn. Dieser wurde mir in der Kieferchirurgie in anderthalben Stunden herausgesprengt.


31. Juli 2017
Ich reise der Sonne entgegen nach Bayern.


Gegen Mittag im Hotel eingecheckt, wollte ich nachmittags die Arztpraxis aufsuchen. Okay. Die war in den gerade beginnenden bayrischen Sommerferien nachmittags geschlossen.
Da es sich um zwei Praxen im Verbund handelte, rief ich bei der anderen Praxis an. Nach einigem Hin- und Her, und weil ich aus Frankfurt angereist war, erhielt ich am nächsten Tag einen späteren Vormittagstermin. Es stellte sich nämlich heraus, dass zu meinem Termin noch zwei weitere Termine vereinbart worden waren. Das Durcheinander bedeutete mein Glück. Weil die Wartezeit auf einen Termin dauert unterdessen schon bis ins nächste Jahr.



1. August 2017
Ich bin also nun im Coimbra-Protokoll.
"Das Coimbraprotokoll ist eine ärztlich begleitete Therapie von Autoimmunerkrankungen mit Hilfe individuell eingestellter Ultrahochdosen des Hormons „Vitamin“ D. Dieses Behandlungsprotokoll wurde von dem Neurologen Prof. Dr. Coimbra seit 2002 in Forschung und Praxis beständig weiterentwickelt unter strikter Beachtung der WMA Deklaration von Helsinki, Absatz 37.
 Prof. Coimbra lehrt an der Universität von Sao Paulo, leitet das Forschungslabor für klinisch experimentelle Pathophysiologie und hat in seiner Privatklinik zusammen mit aktuell acht Ärzten bereits über 5.000 Patienten mit Autoimmunerkrankungen behandelt. Dabei werden in ca. 95% aller Fälle dauerhafte Totalremission sowie Rückgang jüngst entstandener Symptome erreicht.
 Weltweit wurden bisher über 70 Ärzte ausgebildet, um das Coimbraprotokoll sachgemäß anzuwenden. Erste deutschsprachige Ärzte werden seit Anfang 2017 ausgebildet und zertifiziert. Bis Ende 2017 werden wir acht zertifizierte Ärzte in Deutschland haben, zwei in Österreich und einen weiteren deutschsprachigen Arzt gibt es in Luxemburg."
Quelle: http://coimbraprotokoll.de/


6. August 2017
Das sind meine Nahrungsergänzungsmittel, die ich täglich zu mir nehme.
 Zusätzlich muss ich mindestens 2,5 Liter trinken, Milchprodukte meiden und auf den Kalziumgehalt im Essen achten.
 Und um die Knochen zu erhalten - in der Dosis wie sie im Protokoll verabreicht wird, "raubt" Vitamin D das Kalzium aus den Knochen - ist Sport mit "Erschütterungen" wichtig: Joggen und neu: Übungen auf einem Rüttelbrett.




17. August 2017
Geduld. Geduld.
 Mir hilft ein Zitat aus dem Film Das Letzte Einhorn das Protokoll wirken zu lassen. Und gleichzeitig ist es offen für alle Möglichkeiten.
 "Zauber, Zauber, tu, was du willst. Tu, was du willst."
 Denn Loslassen ist der Zauber.