Dienstag, 28. Februar 2017

1987, 2002
Oder warum San Junipero

"San Junipero" ist die vierte Episode der dritten Staffel der britischen Science-Fiction-Anthologie-Serie Black Mirror.

Die Episode spielt 1987 in einer Partystadt namens San Junipero. Sie erzählt die Geschichte von Yorkie (Mackenzie Davis), eine schüchterne junge Frau, die die Stadt besucht und sich dort in Kelly (Gugu Mbatha-Raw) verliebt. 2002 findet Yorkie nach längerem Suchen Kelly wieder.


1987. Ich war nicht hübsch damals. Nicht attraktiv. Ein verängstigtes Mauerblümchen, das ihren Weg suchte.

2002. Ich war selbst-bewusster. Bestimmt auch attraktiv. So attraktiv, dass Frauen mich wollten. Aber ich wollte nach meinen Erfahrungen keine Romanzen mehr.
Es war ein Treffen zum Kaffee. Ein bisschen Reden. Wer hätte sagen können, dass es das Treffen meines Lebens sein würde, in dem sich mir meine Traumfrau zeigte. Alles war und wurde mit ihr möglich, weil sie mich wollte.

Diese zwei Zahlen 1987 und 2002, die in San Junipero auftauchen, decken sich also mit wichtigen Jahreszahlen meines gelebten Lebens. Das Gefühl der Unsicherheit, das Yorkie 1987 zeigt, das kenne ich nur zu gut. Es trotzdem zu machen. Schritt für Schritt meine Erfahrungen sammeln. Erkennen, was ich nicht will und dann erreiche ich 2002. Ich will keine Gefühle mehr zulassen. Mich binden oder so. Nur noch Spaß haben, ja. Wir sind in San Junipero bei Kelly angekommen.

Und plötzlich ist da eine, die alle Wände einreißt, niederreißt und du willst genau das. Zulassen. Das ist es. Vielleicht ist das der Hintergrund, warum ich gerade so viel von San Junipero möchte. Weil es mir mein Leben, meinen Traum widerspiegelt? Ich lebe ein Märchen. Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. In San Junipero tun sie genau das: nicht sterben. Sie leben Erinnerungen, nein, sie leben das wundersam Neue, dass sie Zeit ihres Lebens eben NICHT leben konnten. Kelly, die niemals in Bezug auf Frauen etwas unternahm, weil sie ihren Mann liebte, aber trotzdem Schwärmereien für Frauen in ihrer Umgebung hatte. Yorkie, die nach ihrem Coming Out bei ihren Eltern mit diesen in Streit gerät, aufgewühlt ins Auto steigt und schon mit 21 das "Leben" verließ, weil sie einen Unfall überlebte, der sie ganzkörpergelähmt zurück ließ. Sie leben in San Junipero als junge Frauen das Unmögliche. Das ist das Positive an dieser Folge von Black Mirror.
Der berührende Wermutstropfen dieser Folge ist, dass die alten Frauen im wirklichen Leben tot sind, jedoch ihr "Geist" in die Cloud von San Junipero hochgeladen wurde. Sie konnten in ihrem Leben aus den unterschiedlichsten Gründen nicht das machen, was möglich gewesen wäre.

Aber ich habe das gemacht: Von dem schüchternen Mauerblümchen, das die Welt erfahren und sich der Welt mitteilen wollte bis zur Sonnenblume, die weiß, wer sie ist und wo ihre Grenzen sind.  Märchen können wahr werden, wenn du bereit bist, dich dafür einzusetzen.
Und das lässt mich die letzten vier Abende immer die gleiche Sendung anschauen.

Immer.
Es sich bewusst machen.
Mein Leben ist wirklich.




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