Mittwoch, 23. März 2016

18 Jahre Schmuse- und Schnurrweltmeister


Am 12. März 2016 ist unser Kater gestorben. Er wurde 18 Jahre alt.
Er war unser Knotterhannes, unser König, unsere beleidigte Leberwurst, unser Schmusehannes und unser Freund.

Ich bin so dankbar, dass meine Frau und ich mehr oder weniger Kopfmenschen sind. Denn wir sprachen schon im letzten Jahr darüber, dass der Dicke irgendwann sterben wird und was wir dann tun werden. Dieses Gespräch half uns in der Zeit der absoluten Trauer und Verzweiflung zu wissen, was zu tun ist: wir haben ihn verbrennen lassen und ihn in einer Urne wieder nach Hause geholt.

Der Schock war groß als das Ende kam: Er war doch ein junger Kater. In meiner Trauerarbeit half mir, mir bewusst zu machen, dass er alt war (88 Jahre nach Menschenalter) und dass wir seit vier Jahren uns seiner Gebrechlichkeit und Krankheit sehr angepasst und ihn gepflegt hatten. Es war anstrengend, aber wir liebten ihn und taten es gern.

In meinem Herzen war und ist er immer der junge Kater geblieben. Er ist nicht gealtert. Er war das Normale. Deshalb "nahm" der Kleine zu, als er abnahm. Deshalb war der Kleine höchst abenteuerlich drauf, während der Dicke nur noch schlafen wollte. Er war die Benchmark.
Aber er war nicht normal. Nie.
In der Krankheit nicht - siehe unten stehende Auflistung.
Und in seinem Verhalten nicht: ich habe noch nie eine Katze erlebt, die so gern schmuste. Die kein Problem darin sah, wenn er heftig von uns durchgeknuddelt wurde. Und der bei der kleinsten Berührung das Schnurren anfing.

Wir haben jeden Tag mit dir genossen.
Wir danken dir für deine Zeit mit uns.
Unser König.
Nestor.





Seine Krankheitsgeschichte:

  • Gleich zu Beginn im ersten Jahr 1998 gab es ein Thema mit Erbrechen und er musste eine Paste einnehmen
  • 22.04.2005 wurde ich das erste Mal von ihm gebissen
  • Irgendwann 2005/2006 konnte er keine hohen Möbel mehr hochspringen
  • Ende 2007 wurde eine Herzkrankheit bei ihm festgestellt und er musste abnehmen
  • er wurde kunkelig, manchmal meinten wir, er sei dement
  • seit ca. 2011 war er unrein.  Wir begannen, Möbel abzudecken und alles vom Fußboden gleich zu entfernen
  • 08.12.2011 wurde ich das zweite Mal von ihm gebissen
  • 2012 wurde er wegen Durchfall untersucht. Er musste Diätfutter fressen. Das mit dem Durchfall war immer wieder Thema.
  • März 2016 wollte er gehen und wir ließen ihn.

Mittwoch, 2. März 2016

Thema Lebensfreude

Im Brief an B. vom 01.03.1990 (nie abgeschickt)


Vor 27 Jahren wurde ich von einer Ärztin zum nächsten Arzt gereicht. Keiner dieser Fachmenschen sprach mit mir. Ich wusste nicht, warum ich unentwegt Termine wahrnehmen musste. Bis der Augenarzt im Termin zur Besprechung des Ergebnisses meiner Gesichtsfelduntersuchung mir mitteilte, dass die Überweisungen mit dem Verdacht auf Multiple Sklerose begründet worden seien. Und so schrieb ich an B.:
Die Ärzteschaft verdächtigt mich einer ZNS-Erkrankung. Der Augenarzt vermutete im letzten Jahr (das teilte er mir jetzt erst mit!) sogar MS, was er aber in dieser Woche zurücknahm. Für seinen Bereich zurücknahm. Die Neurologin ist dagegen nicht sehr kooperativ. Sie will unbedingt, daß ein SSEP und ein VEP an mir ausprobiert wird. Ich bin begeistert! Besonders da ich weiß, daß das SSEP schmerzhaft sein soll.

Können die mich nicht einfach in Ruhe lassen? Ich kann das in mein Leben integrieren, daß ich ab und zu vom Schreibtisch wegfalle und für fünf Minuten nicht da bin, anschließend mit rasenden Kopfschmerzen erwachend. Und daß ich ab und zu anstatt Schmerz nur Kälte verspüre, ist doch praktisch.
Lebensfreude!
Ich hoffe jetzt leicht, daß es "nur" eine verschärfte Form von Migräne ist.
Jetzt wiederhole: Lebensfreude.
ZNS = Zentralnervensystem
SSEP = Somatosensibel evozierte Potentiale (Link geht auf wikipedia)
VEP = Visuell evoziertes Potential (Link geht auf wikipedia)


In dieser Zeit der ständigen Untersuchungstermine las ich Sachbücher zu Migräne (Oliver Sacks, Migräne) und ganz viele Bücher zu Multiple Sklerose. In einem der Bücher zur MS wurde SSEP als sehr schmerzhafte Untersuchung beschrieben. Deshalb wehrte ich mich sehr lange gegen die Neurologin, die mich zum Test in eine Klinik überweisen wollte. Was ich nicht mitbedachte war, dass das Buch, welches ich zum Thema las, recht alt war. Nachdem ich lange herum jammerte, dass ich eventuell MS haben könnte, platzte einer Frau in meiner Umgebung der Kragen und sie meinte, dass ich endlich die Untersuchung machen lassen sollte, um eine Antwort zu haben.

Kurz: Die Neurologin hatte recht, die Untersuchung war nicht schmerzhaft. Das Ergebnis war: Ich hatte eine verschärfte Form der Migräne.

Jahre später wurde bei meiner kleinen Schwester Multiple Sklerose diagnostiziert.