Sonntag, 27. Dezember 2015

Gelesen: Endlich angekommen


Text zum Buch auf der Krug&Schadenberg-Verlagsseite:
Auf einem Kongress in Boston trifft Dr. Verena Gessner, Unfallchirurgin an einer Münchner Klinik, ihre frühere Studienkollegin Mona Grafenbach wieder. Verena, seit Jahren verheiratet, geht diese Begegnung nicht aus dem Sinn. Als sich die Gelegenheit bietet, Mona in Berlin wiederzusehen, fiebert Verena dem neuerlichen Zusammentreffen entgegen. Doch in Berlin gerät Verena an eine Frau, deren Avancen sie nicht widerstehen kann. Am nächsten Morgen jedoch folgt ein böses Erwachen: K.o.-Tropfen haben Verena ausgeknockt ...

Mein Leseerlebnis

Durch den Klappentext war ich gewarnt, was in dem Buch vorkommen wird. Es war ein bisschen unbequem zu lesen, dass eine Frau die Täterin ist. Es ist seltener, aber es kommt auch vor. Von daher fand ich es spannend, dass es aufgegriffen wurde. 
Zu Beginn der Geschichte sah es so aus, als würde das Geschehen schnell beiseite gelegt und zu einer altbekannte Schmonzette werden: Verenas Hetero-Ehe hatte sich überlebt und sie kam wieder in Kontakt mit Mona, der Frau, für die sie vor Jahren geschärmt hatte.
Aber es wurde dann doch ein Eingeständnisbuch: auch starke Frauen können Opfer werden. Die Grenzen sind nicht leicht zu erkennen. Wieviel Eigenanteil habe ich an dem Geschehen? Bin ich schlussendlich fremdgegangen und habe Schuld, was mir passiert ist?
Das Buch gibt gute und ungewöhnliche Antworten. Die starke erfolgreiche Unfallchirugin, Verena muss erst zusammenbrechen, bevor sie Hilfe zulässt. Denn Stärke zeigt sich nämlich auch darin, nicht alles selbst durchstehen zu müssen, sondern auch Hilfe annehmen zu können - an der Heilung mitarbeiten und sich schützen lernen.
Diese Lernerfahrung zeigt sich ebenso an der Liebesgeschichte, die dann auch im Buch vorkommt.  Auch dort gibt es Grenzen, neue Grenzen, Grenzen, die zu wahren sind.
Ja, das Buch ist irgendwie ein Coming-Out-Buch auf vielen Ebenen.
Überraschend.
Gut.





Endlich angekommen
von Chira Brecht
Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Verlag Krug & Schadenberg;
Auflage: 1.,
Deutsche Originalausgabe (1. Oktober 2015)
Sprache: Deutsch

Sonntag, 20. Dezember 2015

Mit Carol ist endlich ein Lesbenfilm im Mainstream-Kino angekommen... Moment!

Es braucht eine Highsmith, einen Haynes, eine Blanchett, eine Mara, damit ein Lesbenfilm einmal ganz großes Kino im Mainstream wird. Es ist diese hochkarätige Mixtur, die diesen Film ermöglichte: die ausgezeichnete Autorin Patricia Highsmith, der ausgezeichnete Regisseur Todd Haynes und die ausgezeichneten Schauspielerinnen Cate Blanchett und Rooney Mara und das gebildete Heteropublikum freut sich, mal einen tollen alternativen Film anschauen zu dürfen.

Zum Inhalt

Es ist Anfang der 50er Jahre. Therese (Rooney Mara) arbeitet über Weihnachten in der Kinderspielabteilung eines Kaufhauses. Eines Tages bedient sie Carol (Cate Blanchett), die sich gerade von ihrem Mann scheiden lassen will und um das Sorgerecht für ihre Tochter kämpft.

Meine Kritik

Fangen wir mit der vielbeschworenen Visualisierung der 50er Jahre an. Zu sehr verweilte und schwenkte die Kamera auf die Ausstattung der 50er. Jedoch sah alles so aus, als käme es aus der Zeit und ist bis zum Film gealtert: die Tapeten waren vergilbt, die Puppen sahen gebraucht und auch schon 60 Jahre in Aufbewahrung aus. Die Menschen wirkten in ihren Kostümen verkleidet. Die meisten Männer jedenfalls sahen aus, als würden sie nicht in die Wäsche passen und/oder sich nicht darin wohlfühlen.

Sowieso der Stellenwert im Film, der den Männern zukam. Im Buch zeigte Highsmith auch Thereses Bezug zu den Frauen um sie herum. Sie war jung, ohne viel Erfahrung, am Beginn ihrer beruflichen Karriere, aber fähig.
Und sie hatte schon sexuelle Erfahrung gemacht: im Buch wird darüber gesprochen, dass sie mehrfach Sex mit Richard, im Film dargestellt von Jake Lacy, hatte. Richard, der sie heiraten wollte, der mit ihr nach Europa reisen wollte, den sie aber nicht liebte. Die sexuelle Erfahrung war die Folie vor dem die Erfahrung mit Carol lag: alles machte mehr Sinn, traf sie tiefer, was Therese mit Carol erlebte. Schon früh hatte sie für sich festgestellt, dass sie in Carol verliebt ist.
Im Gegensatz zum Buch wurde Therese im Film nur als die Unentschiedene, Unsichere ohne Erfahrung jeglicher Art, sei es beziehungstechnisch oder beruflich, inszeniert. Alle konnten mit ihr machen, was sie wollten. Und es wirkte fast so, als käme der lesbische Sog nur von Carol, nicht auch von ihr.

Der Film schwächelte in der Darstellung der Anziehung beider Frauen. Zwei europäische Filme, die auch in den 50er Jahren spielen: Entre Nous (F, 1983) und Between two women (GB, 2000) zeigen das weibliche Begehren besser und intensiver. Da ist es Haynes nicht gelungen mir, der Lesbe mit so einiger Lesbenfilm-Kuck-Erfahrung, dieses Begehren glaubhaft zu zeigen.

Dennoch stach für mich Mara in der Darstellung der Therese überall positiv hervor. Sie war eine hervorragende Therese. Blanchetts Leistung wurde besonders stark, als Carol ihren Monolog vor den Scheidungsanwälten und ihrem Mann führte und zu sich und ihren Gefühlen für Therese stand.

Und dann der Schluss, die Blicke, die verstehend, fordernd, lächelnd ausgetauscht wurden: es wird ein Happy End. Die Zuschauerin genießt den Moment des kommenden Happy Ends und der Film wird schwarz. Einfach so. Ende. So endet auch das Buch, Carol und Therese sehen sich an und Therese geht auf Carol zu. Aber wir können noch Thereses Statements lesen, dass es immer Carol sein wird, egal wo, egal wie.

Resümee

Endlich nach über 60 Jahren seit Veröffentlichung des Buches "The Price of Salt" von Patricia Highsmith (damals noch unter Pseudonym) und nach 10 Jahren der Filmvorbereitung kam die langerwartete Verfilmung eines Lesbenklassikers heraus. Da schmerzen der Lesbe die Beteuerungen der Macherinnen in den Medien, das Thema sei universal, der Film sei ein Liebes-, KEIN Lesbenfilm.
Das ist eben nicht wahr. Die Geschichte funktioniert nur, weil zwei Frauen sich in einer Zeit ineinander verlieben und begehren, in der es auch für Frauen gesellschaftliche Ächtung und Verluste bedeutete. Im Film verfolgten wir, was Carol alles tun musste, um im Kampf um das Sorgerecht für ihre Tochter doch noch eine Chance zu erhalten: nach der Entdeckung ihrer lesbischen Liebesgeschichte ließ sie Therese los und unterzog sich psychiatrischer Behandlung. Ihre Eigenschaft als gute Mutter wurde von der Umwelt in Frage gestellt. So ein Inhalt kann und muss auch einem Heteropublikum zugemutet werden.

Carol ist ein Lesbenfilm, schaut ihn euch an!

  

Carol
Laufzeit: 1 Std. 58 Min.
Kinostart: 17. Dezember 2015
Regie: Todd Haynes
Mit Cate Blanchett, Rooney Mara, Sarah Paulson

Freitag, 18. Dezember 2015

Carol-Kino-Besuch: Aftermath

Mein Kino-Besuch-Resümee auf Twitter:


Donnerstag, 17. Dezember 2015

Mal Seh'n Carol zur L-Film-Nacht

Warten vor dem Filmereignis


Ich bin im Mal Seh'n-Kino und trinke ein großes Glas Rotwein. Fast zu groß und gefällig für meinen Geschmack. Aber so ist die Lokalität: gemütlich und nicht überteuert.
Ich weiß, dass ich auch zu meinen Single-Zeiten hier im Kino war. Vor 100 Jahren. Vor Ewigkeiten.
In knapp einer Stunde geht es los. Wie voll es werden wird, wird sich zeigen.

Carol: die Rezensionen überschlagen sich in positiver Kritik. Carol sei ein Oscar-Anwärter. Carol, der 10 Jahre auf die Fertigstellung des Filmes warten musste. Carol, der Film, dessen Buch vor über 60 Jahren für die Homos, Männer wie Frauen, Leben bedeutete. Alles ist anders. Bemerkenswert war die FAZ-Rezi, die Carol als die Verführerin, die Jägerin beschreibt. Alles geschieht mit Absicht bei ihr. Das arme und viel jüngere Haserl, Therese, hat gar keine Chance gegen sie.

Was die Blicke und die Stimmung in der Carol-Verfilmung angeht, so erinnerten mich die Ausschnitte auf Youtube ganz stark an Entre Nous, der ja leider ohne die Erfüllung durch Sex auskommen muss, aber deshalb erst recht so schön anzusehen ist. Sublimation. Und die Blicke und das Sich-Aneinander-Anlehnen sprechen tausend Bände. Die Stimme der Tochter (Regisseurin) aus dem Off tut der Fantasie ein übriges: die beiden Frauen lebten natürlich zusammen. Es ist kein wirklicher Lesbenfilm, aber äußerst sehenswert für mich als Lesbe.

Was Carol angeht, habe ich nun das Hörbuch auf  CD gebrannt, damit ich damit einschlafen kann. Die Stimme der britischen Sprecherin gefällt mir besser als die amerikanische, obwohl Carol doch in den USA spielt. Ostküste, New York, da ist der amerikanische Slang Zuhause.

Es kommen viele Filmgäste. Ich muss den Wein bald geschafft haben. Es wird, es ist Viertel vor 9.

Getwittert zu diesem Filmereignis















Montag, 7. Dezember 2015

Lektorin des Ylva-Verlags zu Besuch im Lesbenliteratursalon

Sandra Gerth, Cheflektorin der
englischen Bücher im Ylva-Verlag
Am Sonntag, den 6. Dezember 2015 war Sandra Gerth, Cheflektorin der englischen Bücher des Ylva-Verlags zu Besuch im Lesbenliteratursalon. Gerth gewährte einen guten Einblick in die Funktionsweise eines jungen aufstrebenden Lesbenverlags.

Die Vorarbeit

Sandra  trifft die Vorauswahl, welche Manuskripte weiter zum Submissionboard gereicht werden oder wo an eine Autorin eine Absage zu schreiben ist. Dabei hilft ihr auch die Erfahrung, die sie als Psychologin gemacht hatte.

Lektorat

Die Arbeit im Lektorat beinhaltet 50% Manuskriptarbeit. Es ist vor allem ein Autorinnen bezogenes Projektmanagement. Sandra betreut ca. 20 Autorinnen. Das Lektorat hat Schnittstellen zu allen Abteilungen des Verlags: z.B. Werbung, Öffentlichkeitsarbeit, Recht. Ein Submissionboard entscheidet über eingeschickte Bücher, ob diese vom Verlag zur Veröffentlichung angenommen werden. Zuvor wählt Gerth aus, welche Bücher überhaupt ins Board gelangen. Gerth beschrieb mehrere Aufgaben die im Lektorat anfallen, z. B. das Content Development bei dem die Kapitelstruktur geprüft wird und ob die Figuren stimmig sind oder nicht. Beim Line-Editoring werden zeilenweise Fehler im Text gesucht. Die Arbeit im Lektorat beinhaltet auch, ein Buch mit den Kosten zu kalkulieren: für Umschlaggestaltung, Bezahlung an Amazon, Mehrwertsteuer, Buchdruck (bei Printversion) und Honorar für die Autorin.

Kann Lektorin als Beruf gelernt werden?

Das Lektorat sei kein klassischer Ausbildungsberuf. Im Ylva-Verlag funktioniere es nach learning by doing. Es gäbe viele Quereinsteigerinnen im Beruf. Andere Wege zum Berufseinstieg sei ein Studium (meist Germanistik), dann 2 Jahre Volontariat in einem Verlag. Voraussetzung um den Beruf auszuüben, sei Organisationstalent, das Besitzen von einem guten Zeitmanagement und Kommunikationsfähigkeit. Diplomatie und Geduld sei sehr hilfreich. Autorinnen seien nicht immer die einfachsten Menschen.

Buchveröffentlichung

15% der Bücher werden als Print verkauft, der Rest als E-Books. Der Verlag hat für Print on Demand einen Vertragsparter in Großbritannien der einen guten Standard böte. Sie sind am Überlegen auch Hörbucher herauszubringen.

Verlagsprogramm: Unterhaltungsliteratur

Zum Verlagsprogramm teilte uns Gerth mit, dass das amerikanische Publikum am liebsten Liebesromanzen hätte, die in der Gegenwart spielen. Sie seien vor allem Unterhaltungsleserinnen. Bei den für den deutschsprachigen Markt veröffentlichten Bücher dürfe der Inhalt auch ernster sein.

Resümee

Ich fand es faszinierend, wie Sandra Gerth von all den Bereichen eines großen Unternehmens wie einem Verlag sprach. Mir war dabei bewusst, dass Vieles an Arbeit noch in Personalunion stattfinden wird. Den Hinweis mit der ehrlichen Bezahlung und den Verträgen fand ich spannend. Gibt es in Deutschland doch dieses ausgeklügelte Verlagsrecht, bei dem die Autorin schon mal schnell alle Rechte an den Verlag abtritt und sich so in langjährige Abhängigkeit von einem Verlag begibt. Ihr Tipp war deshalb, frau sollte sich rechtlich beraten lassen, um nicht Knebelverträge zu unterzeichnen. Ich nahm es als Lob für den Lesbenliteratursalon, wie begeistert sich Gerth von den interessierten Fragen der Frauen zeigte. Ein Lob, das wir auch gerne für den fesselnden Vortrag an Sandra Gerth zurückgaben. Und so bleibt abschließend festzuhalten: Es war eine schöne, informative und unterhaltsame Veranstaltung an diesem Sonntagnachmittag im Dezember.
 
* * *
 
Verlagsgeschichte des Ylva-Verlags
Astrid Ohletz wollte 2011 einen selbstgeschriebenen Roman veröffentlichen und entschied sich, dafür einen eigenen Verlag zu gründen. Recht bald kamen andere Autorinnen auf sie zu und baten sie, auch ihre Bücher zu verlegen. So kam es, dass Astrid Ohletz dann zur Verlegerin wurde und heute kaum noch Zeit hat, selbst Bücher zu schreiben.
Über Sandra Gerth
Sandra Gerth hat vor ihrem Lektoratsberuf als Psychologin gearbeitet. Sie schreibt selbst auch Bücher (herausgegeben sind bisher 12 in englischer Sprache, 6 in deutscher Sprache und 2 Sachbücher) und ist Cheflektorin im englischen Bereich des Ylva-Verlags. Sandra Gerth schreibt schon seit längerer Zeit. Um sich mit anderen Autorinnen im Netz auszutauschen, suchte sie nach einem Schreibforum. Fand jedoch nur welche im englisch-sprachigen Bereich. Das von ihr genutzte Pseudonym JAE war der Name einer Figur, die sie mochte und entschied sich, diesen Namen als ihren Autorinnennamen zu verwenden, auch um nicht in Interessenkonflikt mit ihrem damaligen Arbeitgeber zu geraten. JAE schreibt auf Englisch, weil sie die Sprache mag. Da dieses Pseudonym bereits etabliert war, entschied sie sich, es auch beim Ylva-Verlag als Arbeitgeberin beizubehalten. Sie ist nun seit zwei Jahren Vollzeitautorin. Ihre englischsprachigen Bücher übersetzt sie für den deutschen Markt selber.

Sonntag, 22. November 2015

Lesbischer Herbst. Tagung 2015

Foto: i. U.
 "... weil es uns gibt!" war das Thema des diesjährigen lesbischen Herbstes, Tagung für lesbische Frauen 49plus vom 13. bis 15. November.

Yvonne Ford, die Veranstalterin des lesbischen Herbstes, schrieb zum Thema ...weil es uns gibt! der Tagung:
"Das Thema bringt unsere Freude an der Begegnung miteinander zum Ausdruck - unsere Interesse zu erfahren, wie wir leben, wo wir aktiv sind und was uns wichtig ist."  
Quelle: Lesbischer Herbst
Ich habe seit 2006, der ersten Tagung des Lesbischen Herbstes, darauf gewartet, endlich an dieser Tagung altersmäßig teilnehmen zu dürfen. Ich war ein bisschen aufgeregt und beeindruckt von der Situation des Reisens und der Veranstaltung.

So sah das Programm des Wochenendes aus:

 

Freitagabend

Am Freitagabend begrüßte Yvonne Ford die Frauen zur Tagung und ließ die Referentinnen sich und ihre Themen kurz vorstellen. Nach der Vorstellungsrunde las Corinne Rufli aus ihrem Buch »Seit dieser Nacht war ich wie verzaubert«.

Weitere Infos zum Buch und Autorin:

 

Samstagvormittag

Am Samstagvormittag stellte Yvonne das Tagesprogramm vor. Als sie in den Raum fragte, wieviel Frauen das erste Mal zur Tagung da seien, überraschte und beruhigte mich es, dass 70% der 80 Frauen die Hand hoben. Schade war, dass es bei dieser Frage blieb. Ich hätte gern gewusst, woher die Frauen kamen, welche Geschichten sie mitbrachten.

Nach dieser kurzen Umfrage folgten drei Vorträge, denen ich mit Genuss lauschte:
  1. Serena Owusua Dankwa sprach in ihrem Vortrag über die verschiedenen Arten von Frauenbeziehungen der matrilinearen Kultur in Ghana. Weitere Infos:
  2. Jalda Rebling und Anna Adam berichteten von ihrer Arbeit als jüdische Künstlerin und Kantorin. Weitere Infos:
  3. Dr. Natalia Khodyreva hielt einen Vortrag über die Situation der LGBT in Russland und legte einen Schwerpunkt auf Lesben in Russland.

 

Samstagnachmittag

Am Samstagnachmittag gaben Corinne Rufli, die nochmals aus ihrem Buch las sowie Jalda und Anna, die unter anderem auch die Kunst an ihrem VW-Bus "BEA" zeigten, vertiefende "Workshops". Serena Owusua Dankwa leitete einen Workshop zum Thema "Unterschiede", der leider parallel lief.

Ich fand es schade, dass es im Nachhinein aus den Workshops keine Zusammenfassung gab, da ich gerne auch das Thema "Unterschiede" bearbeitet hätte.

Sonntagvormittag

Am Sonntagvormittag wurde der Film: “Secret Years” von Judit Szabó gezeigt. In dem Dokumentarfilm von 2009 berichten Lesben zwischen 40 und 70 aus Ungarn, wie sie ihr Leben unter dem Kommunismus und danach lebten. Ein Film, dessen Aufbruchstimmung mir einen Kloß im Hals verursachte, weil die Situation in Ungarn sich seit damals für Lesben und Schwule wieder verschlechtert hat.

Resümee

Wie gesagt... ich hätte gerne erfahren, woher die Frauen alle kamen; was sie mitbrachten an Erfahrungen, an Geschichten, an Leben. In drei Sätzen oder so. Kurz halt. Wir trugen zwar alle Namensschildchen, aber mir schien es dennoch ein bisschen unpersönlich. Vielleicht hätte es ein Pinboard als Platz für eine kurze Selbstvorstellung der Teilnehmerinnen getan (eine Möglichkeit, die die Veranstalterin leisten müsste) oder wir hätten Stichworte zu uns auf unsere Namensschilder geschrieben, z.B. "Name seit 33 Jahren lesbisch, Bloggerin aus Frankfurt und das 1. Mal hier" (auf so eine Idee muss frau halt selbst kommen - da bin ich selbstkritisch). So hätte es Anlässe für weitere Gespräche geben können.

Und nun: War das lange Warten auf die Teilnahmemöglichkeit zur Tagung es wert?

 Ja. Denn es war eine gut geplante Tagung mit spannenden Vorträgen und interessanten Referentinnen. Es war ein schönes lesbisches Umfeld. Dass es nur alte Lesben waren, war mir nicht so wichtig. Aber davon erzählt eine andere Geschichte - vielleicht.

Sonntag, 8. November 2015

Hessische Filmpremiere: DIE FRAU MIT DER KAMERA – Porträt der Fotografin Abisag Tüllmann

Am 7. Oktober 2015 wäre Abisag Tüllmann 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass wird die Hessische Premiere des Films am 1. November in Frankfurt sein. Sie wird organisiert von der Kinothek ASTA NIELSEN, der ABISAG TÜLLMANN STIFTUNG und dem Kino MAL SEH’N: Sonntagsmatinee am 1. November, um 12:00 Uhr im Kino MAL SEH’N in der Adlerflychtstraße 6 (...) Die Regisseurin und Produzentin Claudia von Alemann wird anwesend sein(...).
Quelle: Webseite Abisag Tüllmann-Stiftung
Ich war letzten Sonntag bei einem wunderschönen Ereignis im Mal seh’n-Kino. Ließ mir das Leben von Abisag Tüllmann, einer Foto-, resp. Bildjournalistin durch einen dokumentarischen Filmessay erzählen.

Tüllmanns Leben war nicht geradlinig. Es gab dramatische Momente, darunter auch eine Fehlgeburt. Irgendwann hatte sie für sich die Kunst als Berufung ausgemacht. Ihre Nachkommen, ihre Nachlassenschaften sind die Bilder, die die Zeitgeschichte nacherzählen. Sie als Person steht hinter diesen Bildern zurück. Nach ihrem Tod wurde der Bild-Nachlass dem Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin übergeben. Sie verfügte, dass mit dem Erlös aus ihrem Archiv eine Stiftung gegründet werden sollte. Diese Stiftung ist die Abisag Tüllmann-Stiftung.

Zur Premiere im Mal Seh'n-Kino trafen sich viele aus uralten Zeiten. Mensch kannte sich. Frankfurter Geschichte kulminiert an einem Ort. Auch die Regisseurin, Claudia von Alemann gehört(e) dazu, wenn sie auch im Vortrag zweimal erwähnte, dass sie aus beruflichen Gründen Frankfurt verlassen musste. Erklärt, warum sie das tun musste, hat sie nicht.

Bei den im Dokumentarfilm gezeigten Bildern von Tüllmann gab es viele Szenen aus der Arbeitswelt und Aufnahmen von Obdachtlosen. Dazu kleine Szenen aus dem Alltag. Tüllmann war bei Ereignissen vieler sozialen Bewegungen, u.a. der 68er Studentenbewegung fotografierend dabei. Sie gestaltete Kunstausstellungen mit ihren Photos.

Im Dokumentarfilm war zu merken, wann es "lebendiger", "greifbarer" wurde, wenn die Regisseurin ihr persönliches Teil dazusteuern konnte. Sie suchte und fand Filmmaterial. So wurden die sozialen Bewegungen rund um Frankfurt und in Deutschland sehr plastisch. Die Theaterfotografien von Tüllmann dagegen nahmen nicht so viel Raum ein wie die Bilder der Zeitgeschichtsjournalistin. Was ich ein bisschen schade fand war, dass es keine Namensnennung zu den Einblendungen von Tüllmann gemachten Porträtfotos der zeitgenössischen Berühmtheiten gab.

Mich hat das ganze Event der Filmpremiere sehr beeindruckt. Ein Bonbon gab es noch bei der anschließenden Recherche: Auf der Suche nach diversen Quellen und Namen entdeckte ich, dass es eine ganze Reihe an Bildjournalistinnen mit Namen gibt, die einen besonderen Ruf genießen. Und es verbindet viele etwas mit Frankfurt: Zum Beispiel sprach im Film Barbara Klemm über Tüllmann und im Premiere-Publikum saß Erika Sulze-Kleinemeier.

Der Film läuft heute, 08.11. und am Samstag, 14.11. jeweils um 14 Uhr im Mal Seh'n-Kino.


v.l.n.r. Claudia von Alemann, Karola Gramann (Kinothek Asta Nielsen) und Gunter Deller (Mal Seh'n Kino)

Im Gespräch: Claudia von Alemann und Christel Eckart (Soziologin)



 Weitere Infos:



DIE FRAU MIT DER KAMERA – Porträt der Fotografin Abisag Tüllmann
Ein Film von Claudia von Alemann
92 Minuten
Köln 2014   

Mittwoch, 4. November 2015

Was ist, wenn James Bond nicht kann?
Dann gibt es immer noch Jane Bond!

Morgen ist der Kinostart von James Bond: Spectre. Meine Frau und ich mögen (dann doch) auch die James Bond-Filme. Dennoch machte ich mir immer so meine Gedanken zu: „Mein Name ist Bond. James Bond.“ Wieviel glücklicher würde mich die Phrase machen: „Mein Name ist Bond. JANE Bond!“ Deshalb wollte ich schon eine Geschichte über Jane Bond schreiben, um dann festzustellen, das hat schon eine getan und dazu noch recht amüsant: Mabel Maney.

Zum Inhalt

Das Buch spielt Mitte der 60er Jahre. Das Agentenleben ist nicht einfach. Wenn der Stress dich nicht umbringt, so zehrt er doch an deinem Gemütszustand bis zum Zusammenbruch. Genau das ist James Bond passiert. Er wurde ins Agenten-Sanatorium eingewiesen mit der Diagnose „homicidal depressive“ Paranoia, um sich zu erholen. Doch da gibt es ein Problem: in vier Tagen soll Bond die „Thanks Awfully medal“ aus den Händen der Queen erhalten und es gibt für die Königin keinen entschuldbaren Grund, wenn die ehrende Person nicht anwesend ist. Außer... die zu ehrende Person ist tot.

Hier tritt nun Agent Pumpernickel auf den Plan, der seinen Teil zu diesem Auftrag vor seiner Pensionierung erfüllen muss: Bonds Zwillingsschwester Jane muss überzeugt werden, dass sie für den Secret Service bei der Zeremonie vorgibt ihr Bruder zu sein und die Medaille für diesen entgegen nimmt.

Jane Bond ist eine von ihrer Freundin aus der gemeinsamen Wohnung herausgeworfene Buchhändlerin, die nun in ihrer Trauer jede Nacht eine andere Frau abschleppt. Mit keiner dieser Frauen, deren Namen sie sogleich wieder vergisst, wacht sie gemeinsam im Bett auf.

Einziger Trost sind kurze Unterhaltungen mit einer älteren Dame in dem heruntergekommenen Haus, in dem sie nun wohnt und die Gespräche mit ihrem gutem Freund, Simon Crispin, mit dem sie zusammen im Buchladen arbeitet.

Kurz bevor Pumpernickel Jane überzeugen kann ins Secret Service-Hauptquartier zu kommen, wird Jane von Bridget, einer der Frauen, die sie normalerweise gleich wieder vergessen hat, vor einer unschönen Situation mit ihrer Ex in einer Frauenbar gerettet.

Nachdem Jane überzeugt wurde, dass es sich um den Secret Service und um keinen Aprilscherz handelt, nimmt sie den Auftrag an und das Abenteuer beginnt.

Mein Leseerlebnis

Das Flair der 60er Jahre ist durchweg beim Lesen zu spüren, z.B. wenn Jane sich darüber noch nachträglich entrüstet, dass sie für ihre Ex drei Jahre lang die „Schwester“ spielen und im Rock gekleidet sein musste.
Apparently the good people of Ruslip had never seen a woman in trousers, and would die if forced to view such an unnatural sight. For three years, Jane had left the house wearing an ugly, itchy skirt, and changed into trousers once she arrived at the bookshop. Quelle: Kiss the girls and make them spy. An original Jane Bond Parody, S. 25
Die James Bond-Anspielungen schimmern immer wieder durch und brachten mich zum Schmunzeln. Für mich eine wunderschön gelungene Parodie auf den klassischten aller Heteroagenten, den es je gab. Dazu noch liebe, schön gezeichnete Charaktere. Da ist es eigentlich nur schade, dass das Buch nicht in deutsch vorliegt.


    
Kiss the girls and make them spy.
An original Jane Bond Parody

Von Mabel Maney
Taschenbuch: 284 Seiten
Verlag: Dey Street Books (3. Juli 2001)
Sprache: Englisch  








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Schmankerl-Nachtrag
Die Bücher von Ian Fleming, dem "Ingenieur des Konsumromans" (Umberto Eco) habe ich nie gelesen. Was wohl auch mein Schaden nicht sein wird, siehe z.B. taz.de Der selbstgerechte Knecht.
Im Gedenken an diese nicht gelesenen Bücher möchte ich eine faszinierende Stelle bei Maney zitieren, die andeutet, in welcher politischen Tonalität ihr Buch geschrieben ist. Im Buchladen, in dem Jane und Simon arbeiten und Jane - für die 60er Jahre ungewöhnlich - in Hosen gekleidet ist, betreuen sie auch eine Kundin, die ihre Bücher nicht selbst aussucht, sondern eine Vorauswahl an Titeln erhält.
Mrs. Snipe frowned even before she could read the titles. A reflex action, Jane supposed. "I shan't want the Virginia Woolf," she decided right away. "She's awfully anti-male, don't you think?" "I like her." Jane shrugged. Mrs. Snipe gave her a mean look. "Of course you do, dear." a.a.O., S. 23

Dienstag, 20. Oktober 2015

Buchmesse 2015: Quickies

Zum Abschluss noch schnell diese kleinen Momente meines Buchmesse-Besuches.

* * *



15 Minuten bei dieser Veranstaltung zum Selfpublishing erhellten mich ungemein:


 
* * *

Das erste Mal zur Buchmesse besuche ich den Pavillon des Gastlandes.



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Ich notierte:
Verstehe grad gar nicht, was die liebe Frau Dini alles erzählt. Weil sie spricht indonesisch und ich habe keinen dieser Kopfhörer für Simultanübersetzungen auf. „Chance auf Glück“ habe ich nun verstanden. Aber das lag daran, dass die Moderatorin deutsch spricht. Aber Frau Dini beeindruckt mich. Durch Selbstlesen sei sie zum Schreiben gekommen. Heute würden junge Autorinnen in ein Workshop gehen, um Schreiben zu lernen.

Frau Dini ist rechts im Bild.
 
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Den Film nahm ich am Mittwoch auf:

Montag, 19. Oktober 2015

Buchmesse Tag 4:
Im Netz zur Lesenacht

Der Samstag ist so ein bisschen mein Buchmesse-Angstgegner. Samstag wird die Teilnehmendeanzahl um das dreifache potenziert. Schon die Tage davor ist die Messe gut gefüllt. Am Wochenende sind plötzlich alle auf den Rolltreppen, den Eingängen, vor den Ständen. Deshalb muss es etwas ganz Großartiges sein, das mich auf das Messegelände lockt. Da ist die Abendveranstaltung im LSKH dann eher ein Heimspiel.

Zwischen Feuilleton und Haul.
Literaturrezensionen 2015

Ich schreibe Buch- und Comicrezensionen im Web. Das war mir Anlass genug, mir die tolle Veranstaltung mit den fünf Menschen (Felix Wegener, Wibke Ladwig, Stefan Mesch, Nora Gomringer, Jan Drees) auszuwählen. Ich kann schon resümierend für die Veranstaltung sagen: es macht Sinn im Web zu rezensieren. Nur so können sich Lesende abseits der Literaturwerbung ein Bild von Buch, Comic etc. machen.
 v.l.n.r.: Felix Wegener, Wibke Ladwig, Stefan Mesch, Nora Gomringer, Jan Drees

Es ist schön zu hören, dass das Netz den längeren Atem und längeren Nachklang im Gegensatz zu den anderen Medien habe, bei denen es Wellen gäbe: Mal ist das interessant und wichtig und mal etwas anderes. Im Netz dagegen könnten sogar Uralt-Sachen besprochen werden. Das geht bei den Traditionsmedien nicht.

Diesen Aspekt fand ich spannend: Journalisten würden versuchen, anhand des Buches eine eigene Geschichte zu erzählen.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde von Felix Wegener Zettel verteilt. Er bat darauf zu notieren, welches Wort mit der Literaturkritik die einzelnen verbinden. Am Ende kam folgendes heraus: Jan Drees mag die Freiexemplare, die er als Rezensent bekommt. Okay, das ist nicht das Einzige. Weil einher mit den Exemplaren gehe die Verpflichtung zur Rezension. Nora Gomringer mag die Vielstimmigkeit durch das Web und weist darauf hin, wie wichtig auch die Übersetzungsarbeit ist. Sehr häufig würde ja nicht das Original, sondern die Übersetzung gelesen und die müsste ebenfalls literarische Kunst vorweisen. Stefan Mesch sieht sich als Vortester resp. Vorkoster: "Ich lese Bücher, damit ihr diese nicht lesen müsst."

 

Frauenbilder in den Netzmedien.
Orbanism-Dialog

Es gab drei Gründe, diese Veranstaltung zu wählen. Zwei Gründe sind schon im Titel der Veranstaltung enthalten: Frauen und Netz. Der dritte Grund ist Antje Schrupp. Okay. Es gibt in meinem Leben so ein paar Menschen, die können fast alles schreiben resp. sagen, ich kann dem zustimmen. Meistens. Einer ist Paul Watzlawick. (Okay. Ich bin ein Nerd.) Und der andere ist Antje Schrupp.

v.l.n.r.: Antje Schrupp und Christiane Frohmann
Und so konnte ich bei dem Dialog von Christiane Frohmann und Antje Schrupp immer nur bestätigend den Kopf nicken. Beide Frauen sagten so kluge Sachen, z.B. auch zu Selfies: Der Wunsch, sichtbar zu sein, sei ein guter. Es solle mehr Frauenbilder im Web geben, die Frauen selbst machten und einstellen. Das Frauenbild solle nicht den Medien überlassen werden. Es brauche viele Bilder, um das Durchschnittsbild zu erhalten. Und dann aber auch mal mit Absicht das unvorteilhafte Bilder einstellen, um eben nicht den Erwartungen zu entsprechen.

 

Lesbisch-schwule Lesenacht im LSKH

Das ist jetzt ein absolutes Novum, dass ich von diesem Ereignis berichten kann. Nach Jahren der Teilnahme an der Buchmesse brach ich in diesem Jahre das erste Mal meine Tradition der Abstinenz und besuchte meine erste Lesenacht. Und dabei war gleich alles ganz anders: statt im Erdgeschoss, fand die Lesung im ersten Obergeschoss statt. Dort ist die Akustik besser. Was an diesem Abend relativ war, aber darauf komme ich später zurück.
Es lasen folgende Autorinnen und Autoren:

Ina Steg: Alles nur Kulisse
Jan Stressenreuter: Haus voller Wolken
Regina Nössler: Endlich daheim (PDF)
Jannis Plastargias: RotZSchwul
Ulrike Helmer las für Mirjam Müntefering: ANDERS GEHT IMMER
Nach der Halbzeit stand für mich fest, dass ich mir womöglich *uijuijui* das erste Mal absichtlich ein Buch eines schwulen Autors kaufen werde. Der Inhalt von Jan Stressenreuters neuem Buch hat mich sehr berührt. Es geht darin um Alzheimer und was die Krankheit einer langjährigen Beziehung abverlangt.
Ein Büchertisch.
Abspann
Okay, warum war die Veranstaltung im 1. OG und warum war die dortige gute Akustik für mich relativ? Zeitgleich zur Lesenacht, war das Erdgeschoss des LSKH an eine Frau, die eine Geburtstagsfete mit Konzert schmiss, vermietet. Das Lustige dabei war, dass für den Toilettengang stets in den Partyraum runtergegangen werden musste. Macht nicht wirklich Spaß, diese Nebengeräusche bei der Lesung aushalten zu müssen. Deshalb bin ich dann zur Halbzeit der ansonsten sehr schönen Veranstaltung gegangen.

Sonntag, 18. Oktober 2015

Buchmesse Tag 3:
Die Wölfin ruft

Schon Tradition zur Buchmesse hat die Einladung der Ylva-Verlag-Verlegerin, Astrid Ohletz an Freundinnen, Lektorinnen und Autorinnen des Verlags.

Eine Ylva-Leserin.


Ich bewundere sehr die Arbeit der engagierten Frauen in und um den Ylva-Verlag. Alle Beteiligten möchten sehen, dass eine Idee umgesetzt wird, nämlich mehr Wohlfühl-Literatur für Lesben. Der Verlag kann dabei einigen Erfolg vorweisen.


Bücher beispielhaft. Bisher sind 171 Bücher herausgebracht worden. Ylva verlegt Bücher in englischer und in deutscher Sprache.


Samstag, 17. Oktober 2015

Buchmesse Tag 2:
Frauen und Bücher
und BücherFrauen

Nachdem ich mich entschieden hatte, keinerlei Veranstaltungen mit Simultanübersetzung zu besuchen, hatte ich zum Donnerstag plötzlich nur noch zwei Veranstaltungen, die ich besuchen wollte. Wobei die zweite Veranstaltung getauscht wurde mit der Folgeveranstaltung der BücherFrauen.

Indonesische BücherFrauen im Gespräch

Wie fast überall auf der Welt wurde auch auch für die indonesische Buchbranche festgestellt: mehrheitlich arbeiten als "Editor" viele Frauen, aber im Management sind es wieder nur Männer.

Links: Laura Prinsloo, Verlegerin Kesaint Blanc Publishing; Mitte: Moderation: Ziphora Robina, Journalistin; Rechts: Kartini Nurdin, Geschäftsführerin Yayasan Pustaka Obor Indonesia
Das Einkommen in der Buchbranche sei niedrig, deshalb sei es nicht interessant für Frauen. Auf der anderen Seiten könnten deshalb Frauen länger im Unternehmen bleiben. Aber, wie gesagt, sie steigen nicht auf. Es gäbe viele Freundschaften am Arbeitsplatz, deshalb bleiben sie länger, weil sie bei der Arbeit mehr Spaß hätten. Durchschnittliche Verweildauer im Verlag 5 Jahre mindestens. Die Frauen teilen die Leidenschaft für das Thema und die Arbeit.

Frauen würden unterschätzt werden, weil sie Frauen seien. Die Einstellungsvoraussetzung sei Können nicht Herkunft oder Geschlecht beschreibt Laura Prinsloo das Einstellungsvorgehen.

Auf die Frage aus dem Publikum, ob Frauen einen Vorteil hätten, kam die Antwort von Kartini Nurdin: Sie seien besser im Überzeugen. Es ändere sich viel in Indonesien. Frauen hätten einen großen Anteil daran.

Bücherfrau des Jahres 2015: Frauke Ehlers

Laudatio gespickt mit allen Adjektiven,
die die BücherFrauen
über die Geehrte zu sagen wussten.
Die BücherFrauen feierten ihr 25-jähriges Bestehen. Zuvor zeichneten sie die Bücherfrau des Jahres aus. Ich war platt, was Frauke Ehlers so alles geleistet hatte. Denn ihre Laudatorin, Silke Weniger, erzählte deren ganzen beruflichen und Vereins-Lebenslauf auf.
Frauke Ehlers bedankt sich für die Ehrung.


Eigentlich familiär buchtechnisch vorbelastet, arbeitet Ehlers nicht in der Buchbranche. Dennoch ist sie fast von Beginn bei der Vereinsarbeit mit dabei.  

Weitere Infos:

 

25 Jahre BücherFrauen: Die Party

Wie sich die Frauen des Vereins verhielten, was sie zeigten und taten, führte bei mir dazu, das große Wort Affidamento zu twittern. So stelle ich mir Wertschätzung von Frauen vor. Ich nehme an, dass auch hinter den Kulissen hoffentlich heftigst und ertragreich gestritten wird, aber für mich sah es an diesem Donnerstag so aus, als hätten alle ein Ziel und darauf wird hingearbeitet. Und richtig: Ich kann im Web die Acht Leitsätze finden, auf die sich die BücherFrauen für ihre Arbeit geeinigt haben.

Zum 25. Geburtstag gab es Kuchen und es wurde mit Sekt angestoßen. Ich blieb für ein Glas. Vielen Dank für Einladung.

Weitere Infos:

Freitag, 16. Oktober 2015

Buchmesse Tag 1:
Sklavisches Tabu

Ich hatte mir meine Termine für die Frankfurter Buchmesse 2015 hoffnungsvoll zusammen gestellt. So sollte ich einen guten Plan haben, wie die Messe für mich ablaufen sollte. Dass es dann anders kam, begründet sich auch mit den Erlebnissen des ersten Tages.

Alleine noch auf die Veranstaltung wartend schrieb ich:
Open Stage ist etwas kalt. Ich hoffe, das Gespräch dauert nicht gar zu lang. Auf der Leinwand zeigen sie Vorschauen zu diversen Kinderfilmen. Es tönt laut aus den Lautsprechern. Ich warte auf Sklave des Geschlechts? Ich glaub, bei dem Wetter kommen nicht so viele hier nach draußen. Hab ich schon geschrieben, dass es regnet? Ich bin tough. Sitze hier. Es zieht.
Natürlich.
Es tropft.
Unaufhörlich.
Der Atem bildet Nebel. Außergewöhnlich.
Fein. Ich bin die einzige Hörerin. Und die Presse ist auch da.

Sklave des Geschlechts? Zwischen freiem Willen und genetischer Prägung

Letztendlich waren ein paar mehr Leute da, die sich für das Thema interessierten. Gutmütig geschätzt vielleicht 20 Personen.

Auf dem FR-Panel sollten eine Anthropologin, ein Hirnforscher und eine Transgender-Aktivistin mit Bascha Mika diskutieren. Der Hirnforscher entpuppte sich als Evolutionsbiologe Thomas Junker und die Transgender-Aktivistin war der Travestie-Künstler Jutta P alias Jürgen Peusch („Gerdas Kleine Weltbühne“), die Anthropologin blieb Anthropologin, Ingelore Ebberfeld.  

v.l.n.r.: Bascha Mika, Thomas Junker, Ingelore Ebberfeld und Jutta P alias Jürgen Peusch

Ich höre etwas von Sonderbegabungen der Geschlechter und fremschäme mich unentwegt. (Die wollen akademisch gebildete Leute sein?) Es werden Klischees bedient - hier mal nur dieses eine: Frauen seien für Sprache talentierter und Mathe sei für Männer einfacher. Der Gesellschaftseinfluss wird in der Diskussion immer wieder zurückgedrängt. (Was habe ich mir bei diesem Thema nur gedacht?)

Dann überraschte mich die Anthropologin mit folgendem Statement: wenn schon ein schlechter Mann auf dem Posten säße, so könne das bei einer 50:50-Verteilung auch gern eine schlechte Frau sein. Ich lasse diese Veranstaltung jetzt mal so positiv beendet beschrieben.

Andere und weitere Infos zum Panel finden sich auf fr-online.de: Sexualität lässt sich nicht umstellen


T(r)opical Issues: Women and Taboo

Für diese Veranstaltung durfte ich das Forum mit dem Indonesien-Pavillon aufsuchen. Der Ort war beeindruckend. Für die Veranstaltung selbst wurde ein Kopfhörer für die Simultanübersetzung benötigt. Meiner war leider an einer Seite kaputt, so dass mir die Hörer immer wieder von den Ohren rutschte.

v.l.n.r.: Intan Paramaditha, Oka Rusmini und Moderatorin
 Intan Paramaditha, Autorin von Spinner of Darkness & Other Tales und Oka Rusmini, Autorin von Erdentanz berichten über ihr Schreiben in der indonesischen Gesellschaft.

Das Label „Schriftstellerin“ schränke ein. "Frau" würde mit "Sex" gleichgesetzt. Diese Vorstellung, sie könne nur über Sex schreiben, verhindere, dass unterschiedliche Blickwinkel eingenommen würden. Sie schrieben auch über Genderfragen und Sexualität, Sexualität und Religion.

Am Ende fragt die Moderatorin, ob die beiden Autorinnen auch Diskriminierung, Anfeindungen, Anmache erfahren hätten. Ich hab nicht alles verstanden, aber so im großen und ganzen verneinten sie es. Außer, naja, diese Gleichsetzung von Frau mit Sex. Dann fragt die Moderatorin ins Publikum, ob es noch Fragen gäbe. Woraufhin ein Typ sich meldet. Ein älterer Typ. Spricht indonesisch. Er fängt an kundzutun, dass ja noch im 19. Jahrhundert die Frauen auf Bali barbusig unterwegs gewesen seien. Wie sie sich fühlen würden, wenn sie das heute noch müssten. Oka Rusmini antwortete lange. Leider gab es bei der Simultanübersetzung Probleme, so dass ich nicht genau mitbekam, was sie sagte.

Dann fragte die Moderatorin wieder: Noch Fragen? Dem Typ muss die Antwort nicht wirklich gefallen haben oder er wollte die Frauen noch mehr beschämen und fing wieder das Thema mit der Barbusigkeit an. Diesmal mit neuer Einleitung, heißt anderes Jahrhundert. An den Reaktionen der Autorinnen war abzulesen, dass ihnen das gar nicht gefiel. Aber dann kam von der Erdentanz-Autorin eine geniale Reaktion: Sie werde diese Frage nicht beantworten.

Es war grandios. Genial. Ich würd gern wissen, was durch ihren Kopf gegangen ist, als die Frage schon wieder gestellt wurde. Schließlich hatte sie vorher schon lange und breit geantwortet ohne auf den sexuellen Aspekt oder die Erniedrigung, was der Typ wohl erwartete, einzugehen. In ihrer Antwort ging es um Freiheit. Politik. Selbstbestimmung. Aber nicht um Sex.

Resümee vom Mittwoch, dem ersten Buchmesse-Tag

Draußen geht bei diesem Wetter gar nicht.
Und Kopfhörer mit Simultanübersetzung ist schwer gewöhnungsbedürftig.
Ich habe alle Veranstaltungen, die andeuteten, dass Simultanübersetzung gemacht werden müsste, von meiner Veranstaltungsliste gestrichen.

Mittwoch, 30. September 2015

Neulich im Schrank oder Über das Lesen eines Buches ohne Triggerwarnung

In diesem Text geht es um meine Befindlichkeiten.
Ich weise zusätzlich darauf hin, es gibt Spoiler zum Inhalt des Buches.

* * *

Es gibt viel Diskussion, ob Hinweise (um nicht Triggerwarnung zu schreiben) an Bücher, Filme etc. anzubringen seien. Für mich reicht dieser eine gute Grund: Lasst mir die Wahl!

Ich kaufe für teuer Geld eure Produkte. Ich möchte mich damit entspannen. Spaß haben. Und nicht frustriert resp. geschockt ein Buch nicht mehr weiterlesen können. So erging es mir nämlich leider mit dem Buch von Kali Drische "Neulich im Schrank".

Nur Positives zum Buch im Netz gefunden. 

Bevor ich das Buch kaufte, recherchierte ich dazu im Netz. Es fanden sich nur positive Rezensionen, die den Humor des Buches hervorhoben. Ich konnte sogar die ersten dreieinhalb Kapitel online lesen. Diese Geschichten waren erheiternd. Also alles, was ich als Werbung zum Buch fand, machte mich neugierig, es zu lesen. Und so kaufte ich das Buch.

Das Buch "Neulich im Schrank" beinhaltet viele lustige ("Hinter der Tür" hat mein Humorzentrum gut getroffen) und interessante (manchmal war es eben nicht mein Humor, z.B. "Cinderella") Kurzgeschichten. Ich mag Kurzgeschichten.

Mein Leseerlebnis: in der fünften Geschichte schlug die Bombe ein. 

Ich erwartete Witz und Überraschung bei der Lektüre. Jedoch schlug bei der fünften Geschichte unerwartet bei mir die Bombe ein. Diese fünfte Geschichte heißt „Rotkäppchen“.

In dieser Kurzgeschichte geht es darum, dass die Mutter wünscht, dass ihre Tochter eine erfolgreiche Schwimmsportlerin wird. Die Mädchen im Schwimmverein wissen um ein spezielles Verhalten des Schwimmtrainers. Und die Tochter ist in einem Alter - sie kommt in die Pubertät-, in dem sie für den Trainer, dem bösem Wolf, auf andere Weise als den Sport interessant wird. Alle Hinweise, die die Tochter der Mutter gibt, werden von dieser in den Wind geschlagen. Der Sport, der Erfolg ist der Mutter wichtiger. Die Tochter sieht nur noch einen Ausweg sich dem Trainer zu entziehen, nämlich für den Sport nicht mehr geeignet zu sein. Deshalb verletzt sie sich selbst schwer.

Die Nacherzählung der Geschichte fällt mir unterdessen leicht, weil ich seit dem ersten Mal Lesen bis zu dieser Niederschrift einige Zeit hab vergehen lassen.

Ich als Leserin möchte mich nicht von jeder Lektüre berühren lassen. 

Wenn ich darum weiß, dann meide ich Bücher/ Filme mit dem Thema sexuelle Gewalt. Manchmal kann ich Geschichten lesen, in denen das Thema angesprochen wird. Aber ich muss gewappnet sein. Ich muss meine Rüstung angelegt haben, um mich von dem Inhalt nicht zu sehr mitreißen zu lassen. Bei Bücher/ Filmen etc. ohne Hinweise trifft es mich unerwartet und ich bin gelähmt. Manchmal muss ich sogar das Lesen oder den Film ganz sein lassen.
Bin ich aber gewappnet, halte ich das Thema aus. Es berührt mich dann nicht mehr so unmittelbar.  

Resümee 

Klar werden Filme und Bücher gemacht, um Menschen zu berühren. Jedoch mag ich es nicht, wenn sie mich völlig verstören. Und das tun sie, wenn sie plötzlich an Wunden rühren, die einfach nicht verheilt werden können. Nie.

Ich bin nun traurig, dass ich die restlichen Geschichten nicht lesen konnte, weil ich vom Inhalt noch immer sehr beeinträchtigt bin.

Stelle ich mir nun vor, dass es wieder passieren kann? Ja. Denn es wird weiterhin Bücher geben, deren Autoren und Autorinnen meinen, der Leserin ihre derartigen Inhalte ohne Vorwarnung zumuten zu können.

Könnte ich mich beim Lesen darauf einstellen, damit so eine Lähmung/ Betroffenheit nicht wieder passiert? Ja. Wenn ich vorher Bescheid weiß, kann ich eine Entscheidung treffen und vielleicht kaufe ich ein Buch dann eben nicht.

Und jetzt hier im speziellen Fall: Kann ich die restlichen 24 Geschichten des Buches "Neulich im Schrank" weiter lesen? Eher nein. Ich weiß ja nicht, was mich noch erwartet. Und ich traue dem Buch nicht (mehr).

* * *

Neulich im Schrank. Körper, Sex und andere Widrigkeiten: Kurzgeschichten
von Kali Drische
Broschiert: 192 Seiten
Verlag: konkursbuch
Auflage: 1 (1. März 2015)
Sprache: Deutsch

Sonntag, 3. Mai 2015

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Damit ich es nicht vergesse.

Samstag, 2. Mai 2015

Wenn ich nichts mache.

Ich hatte mir für den Tag vorgenommen, nichts zu machen. Also keinen Sport, nichts Lesen, rein gar nichts machen.

Das ist ein Ausschnitt dieses Tages:

  • Katzendreck bereinigen (schauen, an welchen Stellen der Kater unrein war -kotzen etc. und den Boden reinigen, den Teppich in der Waschmaschine waschen lassen)
  • mit Kater schmusen
  • Kaffee kochen
  • Geschirrspülmaschine ausräumen
  • Geschirrspülmaschine einräumen
  • Kater Futter geben
  • Staub saugen
  • Kartoffel schälen
  • Paket annehmen
  • Bett neu beziehen
  • mit Kater schimpfen und verscheuchen (Jungs haben sich das frisch bezogene Bett mit den neuen und noch ohne Krallenlöcher Bettlaken als ihr Spielplatz ausgesucht. Natürlich haben nun die Laken Löcher. *soifz*)
  • zur Serie "Lost" im Internet etwas lesen
  • Serie "Lost" durchrasen
  • Geschirrspülmaschine ausräumen
  • zur Bank gehen
  • Guardians of the Galaxy anschauen

Ich mache regelmäßig und häufig nichts.

Freitag, 1. Mai 2015

Erinnerungen an eine Lesbenaktivistin

Hanneliese ist jetzt fast schon 10 Jahre tot. Ich weiß nicht, wann sie genau verstorben ist. Ich weiß nicht, wann sie geboren wurde.
Geschichte kann nur von unseren tradierten Erinnerungen leben. Deshalb hier meine Erinnerung an diese engagierte Frau aus dem Rhein-Main-Gebiet.
Ich lernte Hanneliese 1987 aus den Augenwinkeln kennen. Ich hörte davon, dass sie die Frau war, die die Lesben-Ralley in der Dreieich-Region organisierte. Sie war auch Vermieterin eines Hauses:
Sie bemalten Geldscheine mit der doppelseitigen Axt. Einige sprachen von Kursen, die sie besucht hatten. Eine redete von Wohnungsvermietungen. Erst kam ein Mann. Schaute sich die Wohnung an, war mit allem einverstanden und stellte schüchtern die Frage: "Darf ich mit meinem Freund hier einziehen?" Kurz darauf kam eine Frau für eine andere Wohnung mit einer ähnlichen Frage. Und die alles erzählte, meinte: "Na, dann immer rein in die gute Stube."-"Wenn die wüßten, was die für eine Vermieterin kriegen!" sagte eine andere.
Quelle: Tagebucheintrag vom 25. Juli 1987 zum Besuch der Schönen Müllerin in Frankfurt am Main am 24.07.1987
Später traf ich sie wieder in der Mittwochsrunde, einem Lesbengesprächskreis in der Frankfurter Frauenschule. Ich war mit dabei, als wir, ca. 10 Frauen, uns am 30.04. und 29.05.1989 bei ihr Zuhause trafen, um über die Möglichkeit eines festen Lesbenortes und einen Frankfurter Lesben-Verein zu diskutieren. Im Mai 1989 rief sie mich an, ob ich mit ihr mit nach Bonn fahren wolle, um bei der BAG Lesbenpolitik der Grünen mitzumachen. Bei der BAG trafen sich viele Lesben, die in der Szene Rang und Namen hatten: Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, politisch Aktive.
Im November 1989 wurde der Verein LLL e.V. gegründet.
Das Lesbisch-Schwule Kulturhaus in Frankfurt lag Hanneliese sehr am Herzen. Um politischen Druck zu machen, wurden immer wieder Aktionen gemacht. So auch am 07.10.1990 als die Vereine LLL e.V. und Emanzipation e.V. eine Soiree unter dem Titel "Den Warmen, Schönen, vom anderen Ufer" vor dem geplanten, zukünftigen LSKH veranstalteten.
Den Warmen, Schönen, vom anderen Ufer (Diashow, Dauer 3:06)
Album auf Flickr

Als der Ort für uns geschaffen war - das Kulturhaus konnte bezogen werden-, nutzte sie ihre Vernetzung, um z.B. mit Rednerinnen von der BAG Lesbenpolitik zu Veranstaltungen wie am 27.09.1991 "Ehe auch für Lesben? Rechte für lesbische Lebensgemeinschaften heute und morgen" einzuladen.
Da ich damals im Verein LLL e.V. ehrenamtlich mitarbeitete, kreuzten sich unsere Wege immer mal wieder.
Mein Lebensweg führte weg von LLL e.V.. Irgendwann verlor ich sie aus den Augen.
Aber sie gehört für mich immer zu den Frauen, die ich als Aktivistin für erinnerungswert erachte.

Freitag, 17. April 2015

Vom speziellen Schreiben oder Die Schere im Kopf

Ich kann gar nicht genau beschreiben, welche Wohltat es war, für meine Prüfung in Soziologie über Unterschiede zu lernen. Dazu nutzte ich Texte von Lesben und auch von schwarzen Frauen.

Mir hat diese beginnende Tendenz im Feminismus für "alle Frauen" sprechen zu wollen Mitte der 90er, so überhaupt nicht gefallen: kann nicht für Mütter sprechen, denn ich bin keine Mutter. Will nicht über Vereinbarkeit von Familie und Karriere nachdenken, weil auch Familie und Karriere nicht mein Thema sind.

Und das zeigten die Texte der schwarzen Frauen. Die zeigten sich nicht verschnupft über die feministischen Texten. Sie sagten nur: es ist nicht alles so, wie ihr Weißen es sehen wollt.
Und sie sagten nicht, WIE neue Texte zu schreiben seien. Alles, was sie wollten, war, dass die Schreiberin erzählt woher sie kommt. Den Aspekt des Klassismus lernte ich da noch zusätzlich zu begreifen.

Mein Lebensgefühl damals wurde unterstützt dadurch, dass ich in der Auseinandersetzung mit anderen Feministinnen ich mich wohlfühlte, weil ich ich bleiben konnte, genau so wie andere sie sie sein konnten und davon berichteten.

Jahre später, als ich aus der Uni raus war, stellte ich fest, dass das feministische Pendel in die oben genannte "neue" Richtung vehement ausschlug, die ich sehr sehr anstrengend fand: plötzlich sollte für alle mitgesprochen werden. Heißt, jeder Aspekt im Schreiben mitbedacht werden. Aber ich kann nicht für alle alles mitbedenken. Die Schere in meinem Kopf wuchs. Schließlich kann ich mit meiner Ansicht "falsch" liegen.

Der Traum einer gemeinsamen Sprache ist für mich nur ein schöner Traum. Unterschiede achten und respektieren hilft mir im Verstehen - auch wenn wir nicht eine "gemeinsame" Sprache sprechen. Zu wissen, woher die Schreibende kommt, von welcher Position aus sie schreibt, erklärt mir mehr, als dass sie versucht mit Mühen "meine" Position mitzubedenken.

Mittwoch, 18. März 2015

Die Autorin Malinda Lo ist eine, meine Entdeckung in diesem Jahr

Auf der Suche nach einem lesbischen Harry Potter oder Herr der Ringe oder Percy Jackson fand ich mystische Abenteuer mit starken Protagonistinnen. Ich hatte nicht den Anspruch, dass es die Hauptdarstellerinnen in den Geschichten sind - eine lesbische Hermine hätte mir gereicht - aber mit den Geschichten von Malinda Lo wurde mein erster Hunger nach fantastischen Abenteuer mit einer Spur Lesbenthematik gut gestillt.

Ich habe zwei Bücher bisher von Lo gelesen:
Ash, welches hauchzarte Themenberührungspunkte mit dem Märchen Aschenputtel hat und Huntress, welches in derselben Umgebung wie Ash, aber ein paar Jahrhunderte davor spielt. Beide Bücher bauen nicht aufeinander auf und können sehr gut unabhängig voneinander gelesen werden. Empfehlen würde ich, Ash vor Huntress zu lesen, weil Ash eher mystisches Märchen und Huntress eher ein detailreicher Abenteuerroman ist.

Ash

Ash ist 12 als ihre Mutter verstirbt. Die Beerdigung wird auf eine bestimmte Art und Weise gestaltet, damit die Seele der Mutter nicht von den Feenleuten geholt wird. Eine gute Hexe unterstützt die Beerdigungszeremonie. Ash fühlt sich heimatlos. Sie hat Heimweh nach ihrer Mutter und deren Geschichten. Ihre Mutter war wie die gute Hexe eine Anhängerin der alten Magie. Ashs Vater ist nicht überzeugt von den alten Weisen.

Nachdem der Vater von einer längeren Reise zurückkommt, verkündet er, dass er wieder heiraten wird. Lady Isobel und ihre Töchter ziehen zu Ash und ihrem Vater nach Roak Hill. Solange der Vater lebt, ist alles gut. Als er an einer Krankheit verstirbt, stellt sich heraus, dass er arm ist, resp. Schulden hat. Lady Isobel zieht deshalb zurück ins eigene Heim in der Großstadt. Ash als Tochter ihre Mannes wird mitgenommen. Isobel eröffnet ihr, dass Ash die Schulden des Vaters abbezahlen muss.

Ashs Heimatlosigkeitsgefühl nimmt zu. Sie liest die alten Märchen und geht verwunschene Pfade, auf denen sie eines Tages einen Feenmann kennenlernt. In ihrer Todessehnsucht freundet sie sich mit diesem an und geht auf einen Handel ein, bei dem er drei Wünsche für sie erfüllt und sie einen Preis dafür bezahlen muss.
Diese Wünsche helfen ihr, an Jagdgesellschaften und Bällen teilzunehmen, um Zeit mit der Jägerin des Königs zu verbringen.

Huntress

Bitte den Roman in deutsch rausbringen. Bitte den Roman in deutsch rausbringen. Bitte den Roman in deutsch rausbringen.
"Making a decision isn't about knowing every potential consequence. It's about knowing what you want and choosing a path that takes you in that direction." Fin, 'the Acadamy's groundkeeper, die Kaede das Messerwerfen beibringt, Huntress, S. 28
Kaede und Taisin sind 17 Jahre alt und leben in der Academy.
Kaede ist die Tochter eines Adeligen. Sie ist mäßig befähigt, was das Sage-Mysterium angeht und weiß nicht, wohin sie will. Aber sie weiß, was sie nicht will.
Taisin ist die Tochter einer Bauernfamilie - talentiert und begabt für die Ausbildung in der Academy. Sie weiß genau, was sie will. Sie sieht schon ihren fertigen Weg in der Academy als Sage.
Sage sind Angehörige der Academy und leben im Zölibat. Sie enthalten sich jeder Liebesbeziehung. Diese Sage hüten das Wissen um Mysterien und Heilung. Sie haben Visionen der Zukunft. Kaede und Taisin sind noch in der Ausbildung und ohne Schwur zum Zölibat.

Im Königreich herrscht schon sehr lange eine Schlechtwetterfront, die schlechte Ernte hervorbringt. Das Volk leidet Hunger. Taisin hat eine Vision, die zeigt, dass Kaede wichtig ist, um das Königreich zu retten und sie beide dazu unterwegs sein müssen. Und als die Feenkönigin den König zu sich einlädt, ziehen der Sohn des Königs, Taisin, Kaede und drei LeibwächterInnen los.
Kaede trainiert auf der Expedition das Messerwerfen mit einem Eisenmesser und sie lernt Bogenschießen. Das Eisenmesser mit einer besonderen Fähigkeit den Feenwesen gegenüber hat sie von Fin geschenkt bekommen.
Taisin muss ihre Kenntnisse als Heilerin und Magierin bei einem Feen-Wechselbalg und bei verwundeten Reisebegleitern einsetzen.

Resümee

Das schlechte Wetter ist in Huntress zu spüren: Die Kälte, das Unangenehme. Kleidung, die nicht richtig trocken werden kann. Haut, die nicht mehr gebräunt wird.
Ungewohnt und spannend fühlte sich die Jagdbeschreibung und die Beseitigung diverser böser Geister an. Die Charakterzeichnungen sind tiefsinnig schön. Die Reife und Zuneigung der beiden 17jährigen Mädchen ist fühlbar, vor allem in der großen Entscheidung, die sie am Ende des Buches treffen.

In Ash sind Märchen-Elemente vorhanden, diese werden aber neu und mit einer schönen Art von Realismus genutzt. Ich mag die Art und Weise, wie der Vater durch die Brille seiner Witwe dargestellt wird. Ash trauert nicht um ihn, sondern betrauert ihre Heimatlosigkeit durch den frühen Tod ihrer Mutter. Sie wird erwachsen in der Geschichte, arrangiert sich mit ihrem Schicksal und trifft Entscheidungen. Am Ende findet sie - und da es ein Märchen ist, ist dieser Hinweis kein Spoiler - ihr Zuhause. Beide Bücher sind absolut wieder lesenswert.

Danke für diesen Buchtipp @Schatzi1. :wave:

Ash
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: PAN (2. November 2010)
Sprache: Deutsch        









Huntress Gebundene Ausgabe: 384 Seiten Verlag: Little, Brown Books for Young Readers; Auflage: 1 (5. April 2011) Sprache: Englisch  












Malinda Lo ist eine US-amerikanische Schriftstellerin mit chinesischen Wurzeln. Sie schreibt Abenteuer- und Fantasygeschichten mit Mädchen/ Frauen in den Hauptrollen. Bisher erschienen sind Ash, Huntress, Adaption und Inheritance. Lo forscht auch über Vielfalt in der Jugendliteratur und im Verlagswesen.

Donnerstag, 29. Januar 2015

Last Tango in Halifax didn't last

Grausiges Wortspiel in der Überschrift. Aber es passt - leider.
Ich habe die Serie nach der 4. Folge der 3. Series zu Grabe getragen, denn gewöhnliche TV-Dramen gibt es genug.
Es ist schade, dass sie das Besondere der Serie mit der Begründung rausgenommen haben, weil dadurch andere Beziehungen erneuert werden könnten.
Okay, meine Beziehung zur Serie haben sie damit gelöst.


Hier folgen noch diverse Links diverser Artikel, die sich mit dem Thema der dritten Staffel auseinander setzen.

  • cultbox.co.uk ‘Last Tango in Halifax’ Season 3 Episode 5 review

    Zitate aus den Kommentaren:

    Ceta: "The acting is superb. The writing (dialogue) generally good. The plot has become a bore. (...)"

    Lynnette Jones: "(...) SW has lost the plot totally. This is rapidly descending into bad soap territory. No series 4! As much as I adore SL, she is way better than this show is becoming."
  • independent.co.uk Last Tango in Halifax, review: Can we ever really move on from Kate?

    Zitat aus den Kommentaren:

    patricia105: "No, we can't ever really move on from Kate. Sally Wainwright's decision to kill a much loved character, was a huge misjudgement. This show has lost its magic."
  • independent.co.uk Last Tango in Halifax series 3 -review: A thankful return to form as we're hit with some believable drama

    Ein paar Kommentare zum Review:

    iconic_platonic: Well, it's nice that someone thinks that the fans weren't disserviced.
    Unfortunately SW 'got back on form' by trotting out the final part of the Tired Lesbian Trope Trifecta: Dead Lesbian (to go with Pregnant Lesbian and Lesbian Who Sleeps With A Man). It's tired, it's boring, and it does a massive disservice to lesbian fans of the show who have seen the same thing on every other show with a lesbian storyline. I'm sure most straight women watching won't even notice it and will just swoon over the bitter drama of it, but LTIF lost some viewers tonight, ones they probably should have been trying hardest to make happy.

    patricia105: Please don't generalise. I'm a straight fan and am utterly devastated with Sally Wainwright's decision to kill our beloved Kate. As much as I love the character of Caroline, it was the chemistry between Caroline and Kate which drew me to the show. I really can't tell you how gutted I am. Kate was my favourite character. With the exception of Caroline, Sally Wainwright could have killed any other character and I would have been fine. She has ruined the show for me. I will not continue to watch. Shame on you, Sally!

    salhyde: I think it is easy for heterosexual people to see all the drama and beautiful acting without noticing the importance of these characters for a marginalized community. When I grew up there were no images of gayness or lesbians on TV. I knew none in my life either, so needless to say navigating a world where people like me were invisible was difficult and confusing. Now middle aged I still enjoy, and I think NEED to see images of my life reflected on TV. LTIH did this until today. Middle aged, lesbian parent, mother who has never said she was proud of who I was, watching siblings marry breed and be accepted and celebrated. I wondered if my mother in the UK might watch this and think through how things have been for me in life (I think Celia was based on her - surely?lol). What an opportunity or opportunities missed in the name of pandering to the need for BAFTAs and ratings is my guess. Poor show Sally Wainwright. I hope she fesses up and admits her mistake publicly. No season 4 for me, thanks!

Mittwoch, 28. Januar 2015

Carol - The Movie mit Cate Blanchett und Rooney Mara kommt Januar 2016

Auf die Verfilmung des Romans Carol von Patricia Highsmith warte ich seitdem ich das Buch gelesen habe. Die Geschichte um Therese Belivet und Carol Aird ist ganz großes Kino.
Endlich gibt es greifbare Daten!
Auf filmstarts.de wird als Kino-Starttermin der 21. Januar 2016 genannt.

In der Zwischenzeit kann auf Youtube ein Zusammenschnitt diverser Setbilder angeschaut werden. Dies gibt ein gutes Stimmungsbild zum Filmthema, das in den 50er Jahren spielt:



Sonntag, 4. Januar 2015

2015...

... läuft.