Sonntag, 27. April 2014

Einblick: Lesestoff 2014

Die Tage wurde ich überrascht durch mehrere Blockstöckchen, die mir über Twitter von HirnundSieb und Anna zugeworfen wurden. Mit dem Stöckchen wurde ich gefragt, welche Bücher ich mir für 2014 vorgenommen habe.

Naja, es sind ja nicht nur Bücher, die ich lese. Da gibt es Comicreihen, die ich lese, z.B. Batwoman und Smallville.
Dann nehme ich mir Themengebiete vor, z.B. Schwule in den 50er und 60er Jahren oder Kinder im Kinderheimen der 1950er Jahre, die ich mir via Bücher erlesen und begreifen möchte.

Hier sind nun die Bücher, die ich mir für die nächste Zeit vorgenommen habe:
  1. Ines Rieder, Diana Voigt: Die Geschichte der Sidonie C.: Sigmund Freuds berühmte Patientin. Zaglossus 2012
  2. Therese Giese: Ich hab nichts zu sagen. Gespräche mit Monika Sperr. Hamburg 1976
  3. Rachel Rising 1: Tochter des Todes von Terry Moore, 2014
  4. Kristof Balser / Mario Kramp / Jürgen Müller / Joanna Gotzmann (Hg.): "Himmel und Hölle". Das Leben der Kölner Homosexuellen 1945 - 1969
  5. Schattenspringer: Wie es ist, anders zu sein von Daniela Schreiber, 2014

Da ich immer gerne erfahre, was andere so lesen, werfe ich das Stöckchen allen zu, die es ergreifen möchten.

Donnerstag, 24. April 2014

Irgendwo auf der Welt fängt mein Weg zum Himmel an angefangen zu lesen

Dienstag, 22. April 2014

Gelesen: Wenn Ally Frauen küsst... Lesben in Fernsehserien

Donnerstag, 17. April 2014

Im Kino: Die Poetin

Letzte Woche hatte ich mir einen schönen Feierabend mit gutem Essen und einem netten Film gegönnt.
Es war ein feiner Feierabend. Das Essen war echt gut. Später im Kinosessel wurde ich von einem vor sich hin plätschernden Film mit schönen Bildern berauscht. Plätschern. So wie ein Bach plätschert. Es ist gemütlich und entspannend dem Plätschern eine Zeit lang zu lauschen.

Die Poetin

Der Film Die Poetin handelt von der Liebesgeschichte zweier berühmter Frauen. Die Autorin Elisabeth Bishop (Miranda Otto) plant Anfang der 1950er Jahre nach Brasilien für zwei Wochen zu reisen, trifft dort auf die Architektin Lota de Macedo Soraes (Glória Pires) und bleibt 15 Jahre.

Der Film: nichts erklärend aber alle ansprechend

Ein Biopic über berühmte Persönlichkeiten kann immer nur ein gewählter Ausschnitt sein. Uns werden die Schwerpunkte gezeigt, die durch die Regiearbeit festgelegt werden. Ich kam aus dem Film mit dem Gefühl, einerseits einen ansehenswerten Film gesehen zu haben, andererseits mit folgenden Fragen: Was ist das Problem der beiden Frauen? Was zog sie zueinander hin?

Regisseur Bruno Barreto wollte mit seinem Film über eine Liebesgeschichte zweier Frauen keinen Nischenfilm machen. Sondern wollte etwas zeigen, das alle anspricht. Herauskam ein leicht irritierender Film, der keine Antworten liefert, warum die Frauen so handeln wie sie handeln. Ihre Motive, ihre Persönlichkeiten blieben seltsam oberflächlich.

Es gibt eine Stelle im Film, bei der gefühlt werden kann, was das Problem und die treibende Kraft einer der Frauen sein könnte. Lota war nicht der erhoffte Sohn. Sie war nur die Tochter. Und anstatt sich ordentlich zu verheiraten und Kinder in die Welt zu setzen, war sie auch noch lesbisch und wollte zusätzlich für ihre Kunst leben.

Über die kunstschaffenden Frauen

Ob Die Poetin uns die wahre Liebesgeschichte der beiden Frauen liefert? Es gibt schon verrückte Liebesgeschichten. Aber war es die allergische Reaktion und der Krankenhausaufenthalt, der Lota dazu brachte sich in Elisabeth zu verlieben?

Im Netz fand ich eine Abbildung von Lota. Die Frau sieht auf dem Foto eher zerbrechlich aus. Im Film ist sie eine toughe und selbstbewusste Frau, die weiß, was sie will. Und das auch bekommt.

Elisabeth wirkt im Film zerbrechlich. Wenn ich ihrer Stimme bei einer ihrer Lesungen lausche, zeugen die Zwischentöne von viel Humor und Klugheit. Es kann geahnt werden, warum Lota sich in Elisabeth verliebte.

 Dass Elisabeth schon lesbische Zwischenspiele hatte, findet sich angedeutet im Netz. Sie wurde also nicht erweckt von Lota, wie es der Film andeutet. Die Glut wurde eher angefacht und endlich zu einem Feuer, das ihr Leben wärmte. Vielleicht ist es ja auch einfach nur die Möglichkeit, die Offenheit, die sie in Amerika nicht erfuhr und nun in diesem fremden Land erleben konnte?

Ihre mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Werke schrieb Elisabeth nicht erst in Brasilien - Eine Suggestion, die der Film vornimmt und nicht berichtigt. -, sondern veröffentlichte diese schon Jahre zuvor.

Beide Frauen waren auf ihre Art Überlebende und Kämpferinnen. Bishop erlebte durch ihre Mutter schon früh mit 5 Jahren, dass nicht normal sein, dazu führt ins Irrenhaus gebracht zu werden. Lota entstammt einer reichen Politikerfamilie, die durch politische Umstände auch mal für längere Zeit im Ausland leben mussten. Lota brachte sich Architektur selbst bei.
Die Beziehung der beiden verlief nicht immer harmonisch. Alkohol, Depressionen, Wutanfälle prägte gegen Ende den Alltag.

Resümee

Der Film stellt zwei berühmte frauenliebende Frauen vor. Es ist die Angelegenheit des Film, uns eine nette Zeit zu verschaffen. Aus den Biographien mehr zu machen, bleibt uns überlassen.



Die Poetin.
Flores Raras, Brasilien 2013
Regie: Bruno Barreto.
Buch: Matthew Chapman, Julie Sayres.
Kamera: Mauro Pinheiro.
Mit: Glória Pires, Miranda Otto, Tracy Middendorf.
118 Min. seit 10.04.2014 im Kino  

Weitere Informationen
wikipedia (deu.) Elizabeth Bishop
wikipedia (engl.) Elizabeth Bishop
wikipedia (pt.) Elizabeth Bishop
wikipedia (pt.) Lota de Macedo Soares
wikipedia (engl.) Lota de Macedo Soares

Mittwoch, 16. April 2014

Und die Moral in der Geschicht?
Lesbenfilme

Faszinierend, wieviele Liebesgeschichten in Lesbenfilmen auf Fremdgehen beruhen. 13:27 - 16. Apr. 2014

Kyss mig: Eine hintergeht ihren Verlobten, die andere ihre Lebensgefährtin. Lesbische Liebesgeschichte im Film.
15:33 - 16. Apr. 2014

Image me and you: Sie verliebt sich auf ihrer Heterohochzeit in die Gärtnerin.
15:34 - 16. Apr. 2014

It's in the water: Sie standesmäßig verheiratet fängt etwas mit der Krankenschwester an.
15:36 - 16. Apr. 2014

Alles wird gut: Sie halbwegs verlobt, lässt sich von ihrer Putzhilfe beeindrucken.
15:37 - 16. Apr. 2014

Puccini for Beginners: Eigentlich Lesbe fängt mit Mann was an, um diesen dann mit Frau zu betrügen.
15:38 - 16. Apr. 2014

Noch mehr?
15:39 - 16. Apr. 2014

The Four-Faced Liar: Sich bürgerlich mit Freund einrichtende Neu-New-Yorkerin richtet ihre Gefühle auf eine New Yorkerin.
15:46 - 16. Apr. 2014

Out at the Wedding: Heteroheiratende Schwester tändelt mit "Freundin" der Fake-Lesbe.
15:47 - 16. Apr. 2014

Ach ja: Big Spoilers in den vergangenen Lesbenfilme-Inhaltstweets.
15:48 - 16. Apr. 2014

Und wenn ich jetzt mit den DramaDrama-sehrernsten-Lesbenfilmen anfange, wird's gruselig. Ich lass das bleiben.
15:49 - 16. Apr. 2014

Liebe Regisseurinnen und Regisseure dreht MEHR schöne, spannende, lustige Filme mit eindeutigen Lesben. Würd mich sehr freuen. Danke. :-)
15:51 - 16. Apr. 2014

Bekanntgehen wäre ein anderes Thema - wenn auch weniger mein Thema. #Lesbenfilme Okay. #Monogamie #Moral
16:06 - 16. Apr. 2014

So. Macht euch Gedanken. Ich muss einen Videoplayer suchen.
16:07 - 16. Apr. 2014

Sonntag, 13. April 2014

Fachtag „Verfolgung von Homosexuellen in Hessen“

Gedenktafel für die Opfer im Nationalsozialismus in Wiesbaden

Was ist mir wichtig, was möchte ich vom Fachtag im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration erinnern?


Lesbische und schwule Sichtweisen


Beim Vortrag "Verfolgung von lesbischen Frauen im Nationalsozialismus" von Elke Kreß und Cora Mohr ist mir aufgefallen, dass ein anderer Blick auf die Zeit eingenommen wurde: Sie berichteten, dass Lesben nicht nur Opfer gewesen seien, sondern sie wären auch Täterinnen gewesen.

So einen differenzierten Blick auf die Zeit vermisste ich bei den Beiträgen zur Schwulengeschichte. Auch lernte ich an diesem Tag, dass bei den Schwulen die Geschichtsforschung mit der Nazizeit aufhört(e). Motiv dieser speziellen Forschung sei unter anderem, den Geschädigten Entschädigung zukommen zu lassen.
Was aber bisher nur bei einem gelungen sei, wie Rainer Hoffschildt über sein Forschungsmotiv in der Diskussion mitteilte.

Kaum erforscht die 50er und 60er Jahre


Ich kam auch zum Fachtag, weil mich die 50er und 60er Jahre besonders interessieren. Leider durfte ich feststellen, dass die Zeit kaum erforscht ist. Vielleicht auch wegen des Schocks, der mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1957 entstanden sein könnte, vermute ich während ich das hier niederschreibe. Vielleicht fehlt(e) dadurch das Motiv zur Forschung?

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1957 sind Schwule keine Opfer des Nationalsozialismus mehr, sondern sie sind sanktioniert durch das bundesverfassungsrechtliche Urteil "Täter" und werden z.B. von Nachbarn etc. denunziert.

Plötzlich war es Ende der 50er Jahre wieder legitim, gegen Schwule vorzugehen. In den Jahren zuvor nach dem Kriegsende war die Strafverfolgung durch die Polizei verhalten. Es gab noch keine Rechtssicherheit im Umgang mit Schwulen. Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts wurde nun festgestellt, dass der §175 StGB mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Der Paragraph sei kein speziell nationalsozialistischer Paragraph.

Jetzt seien wir in der Rechtsansicht weiter: Art. 2 des Grundgesetzes hätte auch damals gewahrt werden müssen. Aber in den 50ern wurde noch mit der vorherrschenden Meinung, dem Sittengesetz, repräsentiert durch die christlichen Kirchen, im Recht argumentiert. Auch gab es einen fast nahtlosen Übergang mancher Nazirichter ins Amt der jungen Bundesrepublik.

Keine schwule Forschung ohne Opfer?


Auf meine Frage, ob Schwule sich in den 50er und 60er Jahren zum Selbstschutz öfter verheirateten, konnte keine eindeutige Antwort gegeben werden. Sie hätten dann halt erst später herausgefunden, dass sie schwul seien. Die Meinung, respektive der gesellschaftliche Druck bzgl. Familie sei groß gewesen.

Ich dachte so für mich: Darf nicht angedeutet werden, dass Schwule durch die Umstände auch zu "Täter der anderen Art" wurden, indem sie "Weibergeschichten" anfingen oder gar heirateten - auch wenn alle dadurch unglücklich wurden? Dass sie nicht nur Opfer waren? Da (bisher) nicht darüber geforscht wird, bleibt die Frage unbeantwortet.

Quintessenz


Die Diskussion tangierte auch immer wieder die Jetztzeit. Es sei wichtig, dass über die Nazizeit geforscht würde, weil sich das nicht mehr wiederholen dürfe.
Die Gegenwart zeigt, dass es immer mehr Fälle gibt, bei der genau das Denken der Nazizeit wieder eingenommen würde. Es sei auffallend, dass Meinungen, die die ganze Zeit "politisch korrekt" unterdrückt wurden, wieder salonfähig werden: "Man dürfe das ja doch noch sagen". Wegsperren wird als Heilungsmethode erachtet. Mädchen, die ihren Eltern mitteilten, dass sie lesbisch seien, werden für diese Offenheit mit Hausarrest bestraft. Unterschriften werden gegen Schwule gesammelt.

Ich stelle für mich wieder fest: Wir sind nie in der Gesellschaft wirklich angekommen.



Programm des Fachtages